Das hohe Ross

Vor gut 20 Jahren hatte ich zum ersten Mal zu Tun mit Musikproduktion. Ich nahm an einem Workshop der LAG Niedersachsen (Landes-Arbeitsgemeinschaft Rock, jaja) teil. Ein 2-Tages-Seminar „Einführung in die Studio-Technik“.

Zum ersten Mal in einem richtigen Tonstudio ! Riesenmischpult, 16-Spur-Bandmaschinen, feinste Mikrofone, Aufnahmeraum mit dem sprichwörtlichen großen Fenster zum Kontrollraum….hach.

Abgesehen von vielen faszinierenden Eindrücken, die erst viel später Auswirkungen hatten, wunderte ich mich über eins:

In einer Pause spielte uns Wolfgang, Dozent und Besitzer des Studios ein paar Songbeispiele vor. Eins war eine (für mich) schmalzige Ballade von Whitney Houston(?) war. Dazu sei angemerkt, dass es Anfang der 90er für junge („Rock“)Musiker fast unmöglich war, solche Musik gut oder gar cool zu finden. solche Musik und wofür sie steht war ein Feindbild.

Dozent Wolfgang wies uns auf ein paar Passagen in dem Song hin, wie gut dies oder jenes arrangiert und produziert sei. Wie gut die Sounds heraus gearbeitet wurden. Er war ganz hin und weg. Und ich dachte nur: Red‘ du man, mag ja sein. Ich würde mir das aber trotzdem nie freiwillig anhören.

Das hohe Ross

Da wird das Absteigen schwer

Nicht nur, dass sich mit den Jahren Horizonte und Geschmäcker weiten. Mittlerweile ist für mich Geschmack kein Grund mehr, nicht von anderen Genres oder Stilen zu lernen.

Man mag eine Band langweilig, ihre Musik für lächerlich, einen Song für nichtssagend halten. Wer nicht bereit ist, den Sound zu analysieren und klangliche oder Arrangement-Kniffe zu würdigen…verpasst eine Menge !

Es geht hier nicht darum, derzeit angesagten Sound zu kopieren. Doch populäre Songs weisen den Weg. Wenn ich eine Helene-Fischer-Hookline nach einer Stunde unbemerkt noch summe, dann war die halt ein Volltreffer. Spätestens wenn ich erst bei einer Radio-Ansage merke, dass die Band die ich gerade lauter gedreht habe eigentlich bei mir auf dem Index steht …dann könnte ich ja mal meine Einstellung überdenken.

Und jetzt Butter bei die Fische: wann habt Ihr zum letzten Mal etwas gut gefunden, dass ihr gar nicht gut finden wolltet ?

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